Der Mystiker - Alexander Scriabin


Alexander Scriabin

Farbenklang und Sternenkrankheit

„Er könnte verrückt sein“, konstatiert der Zeitgenosse Rimsky-Korsakov. Bei dem russischen Komponisten und Synästhetiker steht C dur für den menschlichen Willen und entspricht leuchtendem Rot. D dur strahlt in freudigem Gelb, E dur dagegen verknüpfte Alexander Scriabin mit Himmelblau, Mondlicht und frostkalten Nächten. Um auch andere an seinen Wahrnehmungen teilhaben zu lassen, ließ er ein Farbenklavier bauen, das Lichteffekte auf eine Leinwand warf. Doch damit nicht genug: Das Orchester entsprach für ihn dem gesamten Kosmos und in seinen Kompositionen verschmelzen Mystik, Magie und Traum zu einem nie da gewesenen Erlebnis. Der von ihm entwickelte „mystische Akkord“ gilt gar als Vorform der Zwölftontechnik. Tatsächlich komponierte Scriabin in knapp 30 Jahren 100 Werke, davon 74 für Klavier. Höhepunkt seines Schaffens sollte ein ekstatisches Gesamtkunstwerk werden - aufgeführt unter einer Halbkugel in Indien unter der Mitwirkung von 2000 Künstlern. Die gesamte Menschheit sollte durch das Zusammenspiel sämtlicher Künste und Sinnenseindrücke in Ekstase versetzt werden, doch dann setzte eine Blutvergiftung - die Folge eines Abszesses - Scriabins künstlerischen Wirken ein Ende. Nicht 2000, sondern 240 Künstler präsentieren einen Ausschnitt aus dem Werk des Komponisten: Die 1. Symphonie mit ihrem bewegenden Finale, die das letzte Mal vor fast 20 Jahren in Freiburg zu hören war. Neben dem großen Orchesterapparat setzt der Komponist einen gewaltigen Schlusschor sowie einen Mezzosopran und einen Tenor ein. Seine ekstatische „Hymne an die Kunst“ lässt keinen Konzertbesucher unberührt.

Der letzte Romantiker - Sergej Rachmaninow


Sergej Rachmaninow

Klavierkonzert dank Doktor

Sergej Rachmaninow, der letzte lebende Komponist der Romantik, war seinem Studienkollegen Scriabin in herzlicher Konkurrenz zugetan. Bei einer Gelegenheit ließ er sich zu der Frage hinreißen, welche Farbe wohl gerade an einer bestimmten Stelle in dessen Werk „Prometheus“ zu hören sei. Umgekehrt betrank Scriabin sich anlässlich einer Aufführung seines eigenen Klavierkonzertes mutwillig, angeblich um Rachmaninows Können als Dirigent auf die Probe zu stellen. Nach Scriabins viel zu frühem Tod veranstaltete Rachmaninow jedoch eine Konzerttournee mit dessen Werken. Im Gegensatz zu den ekstatischen Höhenflügen seines Zeitgenossen ist Rachmaninows Lebensweg von Selbstzweifeln und schweren Krisen gekennzeichnet. Erste Erfolge beim Publikum verbuchte er mit dem 1. Klavierkonzert, das er bereits als 17-Jähriger komponierte. Die Ablehnung seiner 1. Symphonie stürzte ihn jedoch kurze Zeit später in eine tiefe Depression, die er nur mithilfe des Neurologen Dr. Nikolai Dahl und dessen Hypnose-Behandlung überwand. Diesem Arzt ist das 2. Klavierkonzert in c-Moll gewidmet - wobei sich dieser wohl kaum hätte träumen lassen, dass die Komposition später in Filmen mit Hollywood-Diven wie Marilyn Monroe und Greta Garbo Verwendung finden würde. Der junge Starpianist Gottlieb Wallisch, der anlässlich der „Russischen Nacht“ zum ersten Mal in Freiburg zu erleben ist, widmet sich diesem berühmten Werk mit großer Hingabe, Herz und Verstand. Wallisch begeistert ein internationales Publikum, unter anderem mit Auftritten in der Carnegie Hall New York, der Wigmore Hall London oder bei den Salzburger Festspielen. Anlässlich seiner jüngsten CD-Einspielung von Schuberts unvollendeten Klaviersonaten lobte die FAZ: „Sein Ton ist ganz und gar pianistisch, er wird Schuberts Musik gerecht: warm, dunkel, sich wiegend und verschmelzend. […] Wallischs runder Ton, mild wie der Vollmondschein, als ob es ewig so weitergehen könnte.“ (Wolfgang Fuhrmann, 12. April 2008). Neben dem Gaststar des Abends geben mit der Mezzosopranistin Caroline Neukamm und dem Tenor Shkodran Tolaj zwei aufregende junge Talente ihr Debut.

Der Chemiker - Alexander Borodin


Alexander Borodin

Borodinsche Silberdecarboxylierung und „Fürst Igor“

Ein weiterer Vertreter der russischen Romantik, Alexander Borodin, war derart mit seinen naturwissenschaftlichen Forschungen beschäftigt, dass sich seine Musikerkollegen wunderten, wie er überhaupt Zeit zum Komponieren fand: „Mitten im Gespräch (über Musik) sprang Borodin auf und rannte ins Laboratorium, um nachzuschauen, ob dort nicht etwas ausgebrannt oder übergekocht sei“, berichtet der Komponist Rimski-Korsakow. Mit drei weiteren Künstlern schlossen die beiden sich zu dem „Mächtigen Häuflein“ zusammen, mit dem Ziel, die nationalrussiche Musik stärker zu fördern. Dass Borodin neben seiner wissenschaftlichen Karriere nur wenig Gelegenheit zum Komponieren fand, halten manche Kritiker für einen Glücksfall: Aufgrund der Zeitknappheit habe er Werke von einzigartiger Qualität geschaffen und keine Gelegenheit für überflüssige Wiederholungen gehabt. Das Ergebnis seines Schaffens sind: die Borodinsche Silberdecarboxylierung und die Oper „Fürst Igor“ mit den berühmten „Polowetzer Tänzen“. Die berührende und eingängige Melodie wurde durch Musicaladaptionen bekannt, fand Verwendung in der Technoszene und verkümmerte schließlich als Klingelton fürs Handy. In Freiburg wird dieses Werk erstmalig mit Chor zu hören sein, der meist in konzertanten Aufführungen weggelassen wird. Anlässlich seines 5-jähren Bestehens präsentiert das ORSOphilharmonic unter der Leitung von Wolfgang Roese eine einzigartige Zusammenstellung von Werken dreier der wichtigsten Vertreter der Russischen Romantik.

1. Symphonie E-Dur

Dieses Werk war in Freiburg zuletzt am 25. Mai 1990 unter der Leitung von Roshdestwenski zu hören. Nach 18 Jahren wieder eine seltene Gelegenheit dieses wunderbare Werk - die russische „Beethoven 9“ zu geniessen! Völlig zu unrecht wurde Scriabin lange außerhalb Russlands verkannt.

2. Klavierkonzert c-moll

Die emotionale, aufwühlende Musik des letzten großen Romantikers machte das 2. Klavierkonzert weltberühmt und auch Hollywood bediente sich der Musik in zahlreichen Spielfilmen. Aus Dankbarkeit widmete Rachmaninow dieses Konzert seinem behandelnden Nervenarzt Nikolai Dahl.

Polowetzer Tänze

Sowohl die sehnsuchtsvollen Melodien als auch mitreissenden Rhythmen lassen keinen Zuhörer kalt. Die Tänze aus der russischen Nationaloper „Fürst Igor“ sind zwar häufiger auf Konzertprogrammen zu finden, doch die wenigsten wissen, dass im Original ein großer Chor zum Einsatz kommt. Einer der Höhepunkte der „Russischen Nacht“.

ORSOphilharmonic

ORSO - The Rock Symphony Orchestra
Schwarzwaldstr. 9-11, 79117 Freiburg
0761 - 70 73 200